Da ein solcher Notfallkaiserschnitt immer sehr schnell durchgeführt werden muss, kann dies
nur unter Vollnarkose geschehen. Auf die Wirkung einer örtlichen Betäubung durch eine
Spritze müsste man zu lange warten.
Es gibt für die Durchführung einer Notsectio einzuhaltende Richtlinien, so muss z..B.
spätestens nach 20 Minuten das Kind geboren sein, nach dem die ärztliche Entscheidung
dazu getroffen werden
DGGG 2004 - Leitlinien, Empfehlungen und Stellungnahmen
)
vorgegeben.
Rechtsprechung:
BGH in AHRS 4490/100 und BGH in AHRS 449/101:
Drohen im Fall einer vaginalen Geburt dem Kind erkennbar ernst zu nehmende Gefahren
und ist daher die Schnittentbindung indiziert, darf der Arzt nicht eigenmächtig entscheiden,
sondern muss die bestehenden Alternativen mit ihren jeweiligen spezifischen Risiken, Vor-
und Nachteilen für Mutter und Kind deutlich herausstellen und die Entscheidung der
Gebärenden einholen.
OLG Düsseldorf, Urteil vom 18. Januar 1996, 8 U 154/92, in AHRS 2498/112:
Auch bei prägpathologischen bis pathologischen CTG-Aufzeichnungen kann es vertretbar
sein, die weitere Reifung der Leibesfrucht abzuwarten und von einer Sectio zunächst
abzusehen. Bei hochpathologischer Herztonkurve ist jedoch ein weiteres Zuwarten grob
fehlerhaft.
OLG Hamm, Urteil vom 01. Februar 1993, 3 U 65/92, in AHRS 2500/101 u. 6770/100, mit
weiteren Entscheidungsgründen:
Verlässt der Geburtshelfer trotz deutlicher Anzeichen für die Indikation einer alsbaldigen
Sectio das Krankenhaus, so liegt ein grober Behandlungsfehler vor.
OLG Schleswig, Urteil vom 24. Februar 1993, 4 U 18/91, in AHRS 2500/103:
Bei feststellbarer Sauerstoffminderversorgung, wiederholtem Abfall der Herzfrequenz und
Eintritt eines Geburtsstillstandes ist unverzüglich die Entscheidung über eine
Schnittentbindung herbeizuführen.
OLG Hamm, Urteil vom 05. März 1993, 4 U 1/91, in AHRS 2500/104:
Die Vornahme einer Sectio bedarf einer strengen Indikation. Ein Blasensprung ist nur dann
als Geburtsbeginn anzusehen, wenn ihm regelmäßige, zur Geburt führende Wehen folgen,
die mindestens alle zehn Minuten auftreten, cervix-wirksam und schmerzhaft sind.
OLG Celle, Urteil vom 05. Juni 1993, 1 U 50/91, in AHRS 2500/111:
Zu den typischen Risikofaktoren, die einen Kaiserschnitt erforderlich machen: Dieser ist nicht
schon allein wegen einer Beckenendlage geboten. Für eine Vaginalentbindung muss das
Mindestmaß der Konjugata vera (= Abstand vom vorspringenden vorderen oberen Rand des
ersten Sakralwirbels zum prominentesten Punkt der Symphysenhinterfläche) 11 cm
betragen.
Insbesondere zur E-E-Zeit Zeit zwischen der Entscheidung zur Sectio und der
Entwicklung des Kindes):
Nach der Stellungnahme der DGGG müssen die organisatorischen Abläufe verbessert
werden, wenn E-E-Zeiten über 20 Minuten vorliegen (DGGG, Frauenarzt 1992, 261)
Aufgrund einer Optimierung des innerklinischen Managements in einem Perinatalzentrum
und Krankenhaus mit Maximalversorgung werden E-E-Zeiten erreicht, die deutlich unter 15
Minuten liegen (Prof. Hitschold in Frauenarzt 2003, 971)
Rechtssprechung:
OLG Saarbrücken in OLGR 1999, 460, 463:
Seit 1996 ist eine E-E-Zeit von 20 Minuten einzuhalten.
OLG Braunschweig in MDR 1998, 907:
Ein Notfallkrankenhaus muss sicherstellen, dass eine erforderliche Schnittentbindung
innerhalb von 20-25 Minuten nach Indikationsstellung durchgeführt werden kann.
OLG München in VersR 1996, 63:
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© Rechtsanwältin Dr. Ruth Schultze-Zeu, Spezialistin für Arzt – und Geburtschadenssrecht, Berlin,
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