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Spitzenabszessen

Zum Begriff sowie zur Entstehungsweise von "Spritzenabszessen"

(aus Joachim Gabka, Injektions- und Infusionstechnik, 4. Aufl., 1988

und Werner Schell: "Injektionsproblematik aus rechtlicher Sicht", 4. Aufl., 1995)

 Wird ein Hämatom primär oder sekundär infiziert, resultiert ein Bild, das klinisch als "Spritzenabszess" bezeichnet wird.

Kurz zum Begriff des "Hämatoms": Infolge des Anstechens eines Gefäßes kann sich durch die gestörte Blutgerinnung ein erhebliches Hämatom entwickeln.

Von einem Spritzenabszess spricht man, wenn an der Injektionsstelle sich Eiter bildet, weil

  • ein Hämatom infiziert wurde oder
  • unsauberes Injektionsinstrumentarium verwendet wurde oder
  • unsaubere Hautpartikel durch die Kanüle ausgestanzt wurden, selten kommt es auch vor,
  • dass im Körper bereits befindliche Infektionserreger zur Einspritzstelle geschwemmt werden (so genannte "endogene Infektion").

Unter den mikrobiologisch nachgewiesenen Keimen dominieren die Staphylokokken und unter ihnen die Staphylokokken aureus. Diese befinden sich in der Oberflächen und Haftflora der Haut. Der große Teil der Staphylokokken ist penicillinresistent und auch gegenüber anderen Antibiotika besteht eine große Resistenz.

Die Erscheinungen des Spritzenabszesses unterscheiden sich nicht von denen eines anderen Abszesses. Hier kann infolge der festen Fazienbeschaffenheit sowie der derben Haut der Abszess lange Zeit kaschiert sein, so dass das erste Kardinalsymptom, der Schmerz, längere Zeit im Vordergrund steht, bevor überhaupt die Diagnose gestellt wird. Wenn erst der Arzt durch eine Schwellung und Rötung der Haut auf diese eitrige Entzündung aufmerksam wird, hat der Patient schon längere Zeit gelitten.

Häufig kommt ein Spritzenabszess bei sehr kranken Personen (Diabetes) zu Stande, deren allgemeine Abwehrkraft erheblich gemindert ist. Prädestiniert sind Kranke, denen längere Zeit Arzneimittel auf intramuskulären Weg zugeführt werden, die also täglich und das über Wochen ein bis zwei intramuskuläre Injektionen erhalten.

Therapeutisch ist das ideale Mittel die Frühinzision des Spritzenabszesses. Doch infolge der geschilderten Umstände kommt es meistens nicht dazu. Kommt es zu einem oberflächlichen Abszess ist die typische Behandlung einzuleiten mit chirurgischer Entlastung, Drainage und Wärmebehandlung.